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Der Personalmangel in der Schweizer Pflege bleibt angespannt. Am 15. November 2024 waren laut Schweizerischem Gesundheitsobservatorium 8’623 Stellen für Pflegefachpersonen online ausgeschrieben. Das Obsan weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass Stelleninserate nicht mit tatsächlich unbesetzten Stellen gleichgesetzt werden dürfen. Die Coronapandemie hat die Belastung vieler Beschäftigter zusätzlich sichtbar gemacht. Der Fachkräftemangel hat jedoch auch strukturelle Ursachen, darunter der steigende Versorgungsbedarf, die Arbeitsbedingungen und eine teilweise kurze Berufsverweildauer.
Bei vielen Pflegefachpersonen stellt sich daher die Frage: Wie gelingt der Ausstieg aus der Pflege und welche alternativen Stellenangebote kommen infrage? Die Entscheidung, aus der Pflege auszusteigen und sich neuen beruflichen Herausforderungen zuzuwenden, ist für viele Fachkräfte dabei ein bedeutender Schritt. In Ausbildung und Beruf haben Pflegefachpersonen zahlreiche Kompetenzen erworben, die auch in anderen Arbeitsbereichen gefragt sind. Dieser Artikel beleuchtet die Gründe für einen Jobwechsel aus der Pflege, stellt alternative Arbeitsbereiche vor und zeigt, welche Möglichkeiten und Stellenangebote in der Schweiz zur Verfügung stehen.
Das Wichtigste in Kürze, wenn Du raus aus der Pflege willst
- Pflegefachpersonen können ihre Tätigkeit verändern, ohne das Gesundheitswesen vollständig zu verlassen.
- Mögliche Arbeitsfelder sind Administration, Qualitätsmanagement, Beratung, Bildung und Versicherungswesen.
- Spezialisierungen führen meist nicht aus dem Pflegeberuf, können aber die direkte Patientenpflege reduzieren.
- Für viele Tätigkeiten sind Weiterbildungen oder ein neuer Berufsabschluss erforderlich.
- Zulassung, Dauer und Anerkennung sollten immer beim Bildungsanbieter und anhand der jeweiligen Prüfungsordnung geprüft werden.
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Gründe für einen Ausstieg aus der Pflege
Die Gründe für einen Jobwechsel aus der Pflege können vielfältig sein. Allen voran steht jedoch wahrscheinlich die Belastung im Beruf als Pflegefachfrau/-mann oder Fachperson Gesundheit (FaGe), weshalb die Angestellten raus aus der Pflege möchten und sich nach neuen Stellenangeboten umsehen. Personalknappheit kann dazu führen, dass Stationen oder Teams zeitweise unterbesetzt sind. Die Folge: Eine deutliche Mehrbelastung für das verbleibende Personal.
Als Konsequenz muss man häufig einspringen, mehr Dienste übernehmen und Überstunden ableisten. Dadurch bleibt weniger Zeit für das Privat- und Familienleben, während sich die Erholungsphasen zwischen den Diensten verkürzen können. Für viele ist diese Unvereinbarkeit mit dem Familienleben Grund genug für den Ausstieg aus der Pflege.
Körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten, Zeitdruck, Schichtarbeit und psychische Belastungen können die Gesundheit beeinträchtigen. Ob daraus Beschwerden wie Rückenschmerzen oder psychische Erkrankungen entstehen, hängt jedoch von mehreren beruflichen und persönlichen Faktoren ab.
Insgesamt sind der psychische und physische Arbeitsdruck sowie die Schichtarbeit Faktoren, die zu einem Ausstieg aus der Pflege beitragen können. Ebenso spielen persönliche Entwicklungsziele und der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance eine entscheidende Rolle.
Mehr zu den genannten Berufen erfährst Du hier:
Mehr zu Work-Life-Balance erklären wir Dir hier:
Raus aus der Pflege – Alternative Arbeitsbereiche
Hat man einmal den Entschluss gefasst, raus aus der Pflege zu gehen, muss man sich natürlich nach neuen Stellenangeboten umsehen. Doch wohin geht man nun am besten? In welchem Bereich lassen sich die persönlichen Fähigkeiten sinnvoll einsetzen?
Häufig findet man innerhalb von Spitälern oder anderen Gesundheitseinrichtungen mögliche Alternativen: Führungspositionen, Verwaltungsabteilungen, Ambulatorien oder Tageskliniken kommen infrage. Ein Wechsel in ein Ambulatorium oder eine Tagesklinik ist allerdings kein Ausstieg aus der Pflege und garantiert weder geregelte Arbeitszeiten noch eine geringere Belastung.
Der Vorteil eines internen Wechsels: In der eigenen Institution ist man bereits mit vielen Abläufen vertraut und weiss, an welchen Stellen Verbesserungsbedarf besteht.
Wer den Arbeitsort oder das Berufsfeld vollständig wechseln möchte, kann sein pflegerisches Fachwissen beispielsweise in Administration, Bildung, Beratung oder Versicherungswesen nutzen. Ob dafür eine Zusatzqualifikation notwendig ist, hängt von der konkreten Stelle und dem bisherigen Abschluss ab.
Folgende Arbeitgeber kommen für ein neues Arbeitsumfeld abseits der klassischen Pflege in Heimen und Spitälern infrage:
- Krankenversicherungen
- Pharmaindustrie
- Medizintechnik-Firmen
- Beratungsstellen
- Verwaltungsstellen
- Ausbildungsinstitutionen (staatlich / privat)
- Haus-/ Facharztpraxen
- Blutspendedienst
- Gesundheitszentren
Im Folgenden wird auf einige spezifische Bereiche, die den erfolgreichen Ausstieg aus der Pflege ermöglichen, genauer eingegangen.
Administration
Stellenangebote in der Administration bieten die Möglichkeit, organisatorische und kommunikative Fähigkeiten zu nutzen. Pflegefachpersonen können ihr Fachwissen beispielsweise bei der Dokumentation, Fallkoordination oder Prüfung medizinischer Unterlagen einbringen.
Für die eigenständige Erstellung bestimmter medizinischer oder versicherungsrechtlicher Gutachten können zusätzliche fachliche oder rechtliche Qualifikationen erforderlich sein. Administrative Stellen gibt es unter anderem in Spitälern, Pflegeheimen, Krankenversicherungen und anderen Gesundheitseinrichtungen.
Management und Qualitätssicherung
Auch im Management und in der Qualitätssicherung können erfahrene Pflegefachpersonen eine wichtige Rolle übernehmen. Sie kennen typische Schwachstellen in Prozessen und können dazu beitragen, Pflegeabläufe zu verbessern, Qualitätsstandards umzusetzen und die Patientenversorgung weiterzuentwickeln.
Möchte man das Ruder in einem spezifischen Bereich übernehmen, kann man auch Fachexperte/-in auf einem bestimmten Gebiet werden, seine pflegerische Tätigkeit reduzieren und dafür vermehrt koordinierende Aufgaben verrichten.
Beratung
Pflegefachpersonen verfügen über fundiertes Fachwissen und praktische Erfahrungen im Gesundheitswesen, die sie in Beratungspositionen nutzen können. Sie können beispielsweise Patienten und ihre Familien beraten, bei der Patientenaufklärung unterstützen oder in der Krankenversicherungsbranche tätig werden. Kommunikationsfähigkeit und Empathie sind in diesem Bereich besonders gefragt.
Als Fachgebiet kommen beispielsweise frühe Kindheit, Diabetesberatung, Wundberatung oder respiratorische Erkrankungen infrage. Ob eine Beratungsstelle besser planbare Arbeitszeiten bietet, hängt vom Arbeitgeber, Beschäftigungsmodell und jeweiligen Aufgabenbereich ab.
Bildung
Der Bildungsbereich bietet Fachpersonen die Möglichkeit, eigenes Wissen und persönliche Erfahrungen an die nächste Generation weiterzugeben. Einsatzmöglichkeiten bestehen beispielsweise in höheren Fachschulen, Spitälern, Heimen, Gesundheitszentren oder Unternehmen.
Für eine Lehrtätigkeit an einer höheren Fachschule ist neben einer fachlichen Qualifikation in der Regel eine berufspädagogische oder didaktische Ausbildung erforderlich. Die konkreten Voraussetzungen unterscheiden sich danach, ob die Lehrtätigkeit haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird.
Möglich sind eine haupt- oder nebenberufliche Lehrtätigkeit sowie Aufgaben in der betrieblichen Bildung oder in überbetrieblichen Kursen.
Mehr zu überbetrieblichen Kursen findest Du hier:
Alternativen innerhalb und ausserhalb der Pflege
Je nach Ziel gibt es verschiedene Wege. Spezialisierungen verändern den bisherigen Aufgabenbereich, während eine Umschulung, Zweitausbildung oder ein Studium einen weitergehenden Berufswechsel ermöglichen kann.
Spezialisierungen
Wer sich für ein bestimmtes Fachgebiet interessiert, kann eine Spezialisierung nutzen, um vermehrt beratende, koordinierende oder fachlich verantwortliche Aufgaben zu übernehmen.
Die meisten Spezialisierungen erfordern Berufserfahrung. Dabei lassen sich manche in nur kurzer Zeit absolvieren, andere hingegen nehmen mehrere Monate in Anspruch. Eine Auswahl ist hier dargestellt:
- CAS Schmerzmanagement – Pain Nurse
- CAS Schmerz Basic
- Schmerzmanagement ohne CAS
- Dipl. Wundexperte/-in
Zu den eidgenössisch geregelten höheren Fachprüfungen gehören unter anderem:
- Fachexperte in Nephrologiepflege HFP
- Fachexperte für Infektionsprävention im Gesundheitswesen HFP
- Fachexperte in Diabetesfachberatung HFP
- Fachexperte in Onkologiepflege HFP
- Fachexperte in Palliative Care HFP
Daneben bestehen CAS-Studiengänge und anbieterbezogene Kurse, beispielsweise im Schmerz- oder Wundmanagement. Deren Dauer, Zulassung und Abschluss unterscheiden sich je nach Bildungsanbieter.
Von Station in die Arztpraxis
Pflegefachpersonen und FaGe können bei einzelnen Schulen berufsbegleitende Umstiegskurse für die Tätigkeit in einer Arztpraxis besuchen. Solche Lehrgänge schliessen jedoch in der Regel mit einem Diplom des jeweiligen Anbieters ab und entsprechen nicht automatisch dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis als Medizinischer Praxisassistent EFZ.
Weiterbildungen
Für einen Wechsel in einen Bereich ausserhalb der direkten Pflege kann eine Weiterbildung notwendig oder bei Bewerbungen zumindest hilfreich sein. Dazu gibt diese Tabelle einen Überblick:
| Weiterbildung | Abschluss und Einordnung | Dauer |
| Medizinische/r Kodierer/in | Anbieterbezogener Einsteigerkurs | 19 Tage (bei H+, berufsbegleitend) |
| Arztsekretär/in | Anbieterabschluss | 2 – 4 Semester (berufsbegleitend) |
| Fachexperte/-in Infektionsprävention HFP | Höhere Fachprüfung mit eidgenössischem Diplom | 2 Jahre (berufsbegleitend) |
| Health Care Leadership und Management CAS | Höhere Fachprüfung mit eidgenössischem Diplom | 1 Semester |
| Teamleiter/in in sozialen / sozialmedizinischen Inst. BP | Berufsprüfung mit eidgenössischem Fachausweis | 1 Jahr (berufsbegleitend) |
| Berater/in Frühe Kindheit HFP | Höhere Fachprüfung mit eidgenössischem Diplom | 954 Lernstunden |
| Berater/in Respiratorische Erkrankungen BP | Berufsprüfung mit eidgenössischem Fachausweis | Vorbereitungskurs: 17 Tage |
| Case Management Gesundheitswesen NDK | Anbieterbezogenes NDK beziehungsweise Hochschulweiterbildung | 1 Jahr (berufsbegleitend) |
| Fachexperte/-in Diabetesfachberatung HFP | Höhere Fachprüfung mit eidgenössischem Diplom | unterschiedlich |
| Berufsbildner/in überbetriebliche Kurse | SBFI-anerkannte berufspädagogische Qualifikation | unterschiedlich |
| Lehrer/in an Höheren Fachschulen | Berufspädagogische oder didaktische Zusatzqualifikation | 2 – 4 Jahre (berufsbegleitend) |
Studium
Ein Bachelorstudium dauert in der Regel mindestens drei Jahre. Ob ein Teilzeitstudium möglich ist, hängt von der Hochschule und dem Studiengang ab. Die Zulassung richtet sich nach dem jeweiligen Studiengang und der Hochschule. Neben dem Berufsabschluss können beispielsweise eine Berufs-, Fach- oder gymnasiale Maturität, Zusatzmodule, Berufspraxis oder eine Eignungsabklärung verlangt werden.
Mögliche neue Ausbildungen oder Studiengänge sind:
- Biomedizinische/r Analytiker/in HF
- Ergotherapeut/in FH
- Ernährungsberater/in FH
- Physiotherapeut/in FH
Raus aus der Pflege – Stellenangebote
Der Schweizer Arbeitsmarkt bietet zahlreiche Stellen für ehemalige Pflegefachpersonen in den genannten Arbeitsbereichen und Spezialisierungen. Wer raus aus der Pflege möchte, findet auf Medi-Karriere zahlreiche Stellenangebote in den Bereichen:
Darüber hinaus gibt es auch offene Jobs als:
- Stationsleitung
- Pflegedienstleitung
- Physiotherapeut/in
- Ergotherapeut/in
- Logopäde/-in
- Medizincontroller/in
- Fachperson Operationstechnik
Häufige Fragen zu einem Wechsel aus der Pflege
- Welche Berufe eignen sich für einen Wechsel aus der Pflege?
- Kann man ohne Weiterbildung aus der Pflege wechseln?
- Kann eine Pflegefachperson als MPA arbeiten?
- Was sollte man vor dem Wechsel prüfen?
Mögliche Bereiche sind Administration, Versicherungswesen, Qualitätsmanagement, Bildung, Beratung, medizinische Kodierung und Gesundheitsförderung. Welche Stellen infrage kommen, hängt vom bisherigen Abschluss, der Berufserfahrung und möglichen Zusatzqualifikationen ab.
Ein Wechsel ohne Weiterbildung ist möglich, wenn ein Arbeitgeber die vorhandenen Kompetenzen als ausreichend bewertet. Für reglementierte Berufe, Lehrtätigkeiten und viele spezialisierte Funktionen ist jedoch ein zusätzlicher Abschluss erforderlich.
Einzelne Schulen bieten Umstiegskurse für Pflegefachpersonen und FaGe an. Diese Abschlüsse entsprechen jedoch nicht automatisch dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis als Medizinischer Praxisassistent EFZ.
Wichtig sind das tatsächliche Aufgabenprofil, die Anerkennung des Abschlusses, Zulassungsvoraussetzungen, Ausbildungsdauer, Kosten, Arbeitszeiten und realistische Lohnaussichten. Eine kantonale Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung kann bei der Auswahl unterstützen.
- Obsan, Berufliche Situation von gelernten Pflegefachpersonen, https://ind.obsan.admin.ch/... (Abrufdatum: 26.08.2026)
- Obsan, Ausgeschriebene Stellen für das Pflege- und Betreuungspersonal, https://ind.obsan.admin.ch/... (Abrufdatum: 26.08.2026)
- vpod Zürich, Pflexit: Raus aus der Pflege, https://zuerich.vpod.ch/... (Abrufdatum: 26.08.2026)
- flexxi, Raus aus der Pflege, aber wohin?, https://flexxi.care/... (Abrufdatum: 26.08.2026)




