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Wer in der Schweiz Medizin studiert, denkt früher oder später vielleicht über den Wechsel in ein Nachbarland nach. Manchmal geht es dabei um einen Wunschstandort näher bei der Familie, in anderen Fällen um ein anderes Studiensystem oder auch schlicht um die Frage, wo der weitere Weg am besten zu den eigenen Zielen passt. Dieser Artikel erklärt, was Du bei einem Wechsel während des Medizinstudiums in eines der beiden Schweizer Nachbarländer wissen solltest.
Das Wichtigste in Kürze
- Die gute Nachricht vorab: Ein Wechsel nach Deutschland oder nach Österreich ist grundsätzlich möglich.
- Deutschland: Hier ist vor allem die Anerkennung bisheriger Studienleistungen entscheidend. Darauf aufbauend bestimmt sich das Fachsemester.
- Der Wechsel nach Deutschland ist frühestens nach dem ersten Studienjahr sinnvoll.
- Österreich: Der Quereinstieg ist meist erst in höheren Semestern möglich oder Du beginnst ganz von vorne über den MedAT.
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Warum ein Wechsel aus der Schweiz gut überlegt sein sollte
Aus Sicht als Medizinstudent oder Medizinstudentin in der Schweiz ist der grösste Denkfehler oft: Du nimmst an, dass Deine erworbenen ECTS automatisch 1:1 übertragbar sind. Genau das ist in der Praxis aber nicht garantiert. In Deutschland zählt nicht nur, wie viele Punkte Du bereits gesammelt hast, sondern auch ob Deine Inhalte, Prüfungen und klinischen Anteile als gleichwertig anerkannt werden.
Der Wechsel nach Österreich gestaltet sich hingegen schwieriger: Dort kommst Du entweder regulär über den MedAT rein oder später über einen Quereinstieg.
So funktioniert der Wechsel nach Deutschland
Der Wechsel von Medizinstudierenden aus der Schweiz nach Deutschland kann meist nach dem ersten Studienjahr, also nach Abschluss des zweiten Semesters erfolgen. Wichtig sind hierbei unter anderem die Anerkennung von Leistungen durch das zuständige Landesprüfungsamt. Anschliessend muss geklärt werden, in welches Fachsemester Du einsteigen kannst.
Bewerbung ins erste Fachsemester oder in ein höheres Semester?
Für Humanmedizin läuft die Bewerbung ins erste Fachsemester in Deutschland über hochschulstart.de. Das ist der klassische Weg, wenn Du komplett neu anfangen oder Dich bewusst nochmals auf einen Erststudienplatz bewerben willst.
Wer aber bereits in der Schweiz Medizin studiert, zielt meistens auf ein höheres Fachsemester. Dafür bewirbst Du Dich in der Regel direkt bei den jeweiligen Universitäten. Wichtig zu berücksichtigen ist hierbei, dass jede Uni eigene Fristen, Unterlagen und Auswahlregeln hat. Kümmere Dich also rechtzeitig um die benötigten Dokumente.
Ohne Anerkennung Deiner Leistungen geht fast nichts
Der zentrale Schritt für den Wechsel innerhalb Deines Medizinstudiums ist die Anerkennung Deiner bisherigen Studienleistungen durch einen Antrag beim zuständigen Landesprüfungsamt. Hierfür benötigst Du üblicherweise:
- Antragsformular
- Kopie von Ausweis oder Geburtsurkunde
- Immatrikulationsbescheinigung
- Transcript of Records
Je nach Landesprüfungsamt können zudem beglaubigte Kopien des Abiturzeugnisses oder auch Nachweise über einen absolvierten Erste-Hilfe-Kurs oder den Krankenpflegedienst benötigt werden.
Idealerweise kümmerst Du Dich daher bereits vor der Bewerbung an Deiner Wunschuni darum. Falls Du jedoch noch keinen deutschen Medizinstudienplatz hast, ist häufig das Landesversorgungsamt Nordrhein-Westfalen zuständig. Erst mit diesem Bescheid kannst Du dann sinnvoll prüfen, für welches Fachsemester eine Bewerbung überhaupt realistisch ist.
Der beste Zeitpunkt ist meist nicht ganz am Anfang
Grundsätzlich kannst Du auch zu einem früheren Zeitpunkt nach Deutschland wechseln. Die besseren Chancen bestehen aber meist nach einem klar abgegrenzten Studienabschnitt. Für viele Auslandsstudierende ist das nach der Vorklinik beziehungsweise nach einem vergleichbaren Ausbildungsstand. Für die Schweiz bedeutet das: Je sauberer Deine Module dokumentiert sind und je klarer sie sich mit dem deutschen Curriculum vergleichen lassen, desto besser.
Freie Plätze und Curriculum entscheiden mit
Selbst mit gutem Anerkennungsbescheid ist der Wechsel nicht automatisch möglich. Deutsche Universitäten vergeben Plätze in höheren Fachsemestern nur, wenn überhaupt freie Kapazitäten vorhanden sind. Und nicht jedes Curriculum ist kompatibel. Ein prominentes Beispiel ist die Charité: Dort ist ein Einstieg aus dem Ausland in den Modellstudiengang Medizin in höhere Semester ausgeschlossen; bessere Chancen bestehen erst wieder ab dem Praktischen Jahr.
Das heisst für Dich: Nicht nur auf die Stadt schauen, sondern sehr genau auf das Studienmodell der Zieluni.
So funktioniert der Wechsel nach Österreich
Wenn Du Dein Medizinstudium in Österreich fortsetzen möchtest, kommen hierfür vier staatlichen Standorte infrage: Wien, Innsbruck, Graz und Linz. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten für den Wechsel:
Weg 1: regulär über den MedAT
Wenn Du in Österreich neu einsteigen willst, führt der normale Weg über den MedAT. Die Schulnoten spielen dabei keine Rolle; entscheidend ist allein Dein Testergebnis. Der Test findet einmal pro Jahr statt, wird auf Deutsch durchgeführt und die Zulassung gilt für das folgende Wintersemester. Die nächste Möglichkeit hierfür besteht im Frühjahr 2027.
Weg 2: Quereinstieg für Fortgeschrittene
Der Quereinstieg nach Österreich ist möglich, aber klar begrenzt. Offiziell brauchst Du dafür in der Regel mindestens 180 ECTS aus einem Humanmedizinstudium; an der JKU Linz reichen 150 ECTS.
An der MedUni Wien ist der Quereinstieg erst ins siebte oder ein höheres Semester vorgesehen. Die MedUni Graz koppelt den Einstieg zusätzlich an freie Plätze und ein eigenes Verfahren.
Unterm Strich heisst das: Ein Wechsel nach Österreich mitten im Studium ist eher eine Option für fortgeschrittene Studierende.
Was Du frühzeitig vorbereiten solltest
Der Wechsel scheitert selten am Wunsch, sondern meistens an Timing und Papierkram. Sammle deshalb von Anfang an alles, was Deine Leistungen sauber belegt: Transcript of Records, Modulbeschriebe, Stundenumfänge, Prüfungsformen, Praktika und Immatrikulationsnachweise.
Parallel solltest Du Dich mit Deinen Wunschunis und deren Curricula auseinandersetzen. Gerade in Deutschland kann ein Modellstudiengang Deine Planung komplett verändern. In Österreich entscheidet oft schon die ECTS-Schwelle darüber, ob Du überhaupt ohne MedAT ins Gespräch kommst.
Fazit: Wechseln geht, aber nur mit Plan
Aus der Schweiz nach Deutschland oder Österreich zu wechseln, ist also machbar, aber mit etwas Aufwand verbunden. Nach Deutschland führt der realistischste Weg über die Anerkennung Deiner Leistungen. Nach Österreich brauchst Du entweder einen starken MedAT oder einen weit fortgeschrittenen Studienstand für den Quereinstieg.
Unser wichtigster Tipp: Plane nicht nach Bauchgefühl, sondern nach Anerkennungslogik, ECTS, Curricula und Fristen. Dann wird aus der Idee eines Wechsels ein echter Plan.
Medizinstudium im Ausland – Unterstützung durch Agenturen
Anzeige: Wer den Weg Medizinstudium im Ausland gehen möchte, kämpft oft mit einem Dschungel aus Bewerbungsportalen, Sprachtests, Aufnahmeprüfungen und Behördengängen. Hier können spezialisierte Agenturen unterstützen, die sich ausschliesslich auf das Medizinstudium im Ausland konzentrieren.
Ein Beispiel ist der Anbieter futuredoctor:
Er liefert einen ersten Überblick über geeignete Länder und Universitäten, bietet Hilfe bei der Auswahl passender Hochschulen sowie Begleitung zu Informations- oder Besichtigungsterminen vor Ort. Ausserdem erhält man dort Unterstützung bei der Bewerbung und Aufnahmeprüfungen und Hilfe bei Wohnungssuche, Einschreibung und Behördengängen im Gastland.
Solche Dienstleister verfügen meist über ein gewachsenes Netzwerk und Erfahrung mit typischen Stolpersteinen beim Medizinstudium im Ausland. Das kann den Einstieg spürbar erleichtern – ersetzt aber nicht die eigene gründliche Recherche und Entscheidung.
- Medizinische Universität Wien, “FAQ”, https://www.medizinstudieren.at/... (letztes Abrufdatum: 30.04.2026)
- Charité – Universitätsmedizin Berlin, “Einstieg ins höhere Fachsemester”, https://www.charite.de/... (letztes Abrufdatum: 30.04.2026)
- Bezirksregierung Düsseldorf, “Landesprüfungsamt – Anerkennung von Studienzeiten, Studienleistungen und Prüfungsleistungen”, https://www.brd.nrw.de/... (letztes Abrufdatum: 30.04.2026)
- Verwaltung digital, “Studium der Humanmedizin; Beantragung der Anrechnung von Studienzeiten und Anerkennung von Studienleistungen”, https://verwaltung.bund.de/... (letztes Abrufdatum: 30.04.2026)
- Med Uni Graz, “Quereinstieg”, https://www.medunigraz.at/... (letztes Abrufdatum: 30.04.2026)




