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Kaum ein Beruf verlangt Körper und Psyche so viel ab wie die Pflege. Schichtarbeit, das Heben und Umlagern von Patienten, Zeitdruck und die ständige Verantwortung für das Wohl anderer Menschen hinterlassen Spuren – körperlich wie seelisch. In der Schweiz zeigen aktuelle Daten, dass insbesondere Stress und Erschöpfung relevante Themen sind. Gleichzeitig rückt eine neue Belastung stärker in den Fokus: Zunehmende Hitze am Arbeitsplatz. Der folgende Artikel zeigt, welche Gesundheitsprobleme Dir im Pflegeberuf begegnen können und welchen Einfluss die Arbeitsbedingungen haben.
Das Wichtigste zu Gesundheitsproblemen von Pflegekräften in Kürze
- Beschwerden an Rücken und Schultern sind in Pflege und Betreuung weit verbreitet. Geeignete Hilfsmittel und geschulte Transfers können körperliche Belastungen verringern.
- Zeitdruck, Personalmangel und fehlende Erholung können psychisch belasten. Anhaltende Erschöpfung und Schlafprobleme solltest Du ernst nehmen.
- Nacht- und Schichtarbeit kann Deinen Schlaf beeinträchtigen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erschweren.
- In einer Schweizer Befragung von 2025 berichteten neun von zehn teilnehmenden Mitarbeitenden aus Pflege und Betreuung über belastende Symptome durch Hitze bei der Arbeit.
- Hygiene, Schutzausrüstung und empfohlene Impfungen helfen, berufliche Infektionsrisiken zu verringern.
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Muskel-Skelett-Erkrankungen: Das häufigste körperliche Problem in der Pflege
Die Schweizerische Unfallversicherung Suva beschreibt Beschwerden an Rücken und Schultern als weit verbreitet in Pflege und Betreuung. Sie können zu Ausfalltagen führen. Zu den Hauptursachen zählen:
- Häufiges Heben und Umlagern von Patienten
- Langes Stehen und Arbeiten in gebückter Haltung
- Einseitige, sich wiederholende Bewegungsabläufe
- Unzureichende Hilfsmittel oder Zeitdruck bei Transfers
Neben dem Rücken sind auch die Schultern häufig betroffen. Präventiv wirksam sind vor allem der systematische Einsatz geeigneter Hilfsmittel bei Transfers, geschulte Arbeitsabläufe und ergänzende Bewegung. Viele Betriebe bieten dazu interne Schulungen an.
Psychische Belastung, Stress und Erschöpfung
Neben körperlichen Beschwerden ist die psychische Belastung eines der grössten Gesundheitsrisiken im Pflegeberuf. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) nennt unter anderem hohen Zeitdruck, Nachtarbeit, Überstunden und Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben als psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz.
Auch aktuellere Erhebungen bestätigen die Bedeutung der Arbeitsbedingungen: Laut dem Trendreport „Puls der Pflege 2025″, für den über 2’300 Pflegefachpersonen in der Schweiz befragt wurden, waren 41 Prozent der Befragten offen für einen Stellenwechsel. Als Belastungsfaktoren werden unter anderem Personalmangel, psychische Belastung und Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben genannt.
Ein nationales Forschungsprojekt der Berner Fachhochschule widmet sich diesem Thema gezielt: Die ursprüngliche STRAIN-Studie erfasste von 2017 bis 2021 arbeitsbedingten Stress in den Schweizer Gesundheitsberufen und umfasste über 19’000 Teilnehmende aus verschiedenen Bereichen und Sprachregionen. Das Folgeprojekt STRAIN 2.0 führt weitere Erhebungen durch. Ziel ist es, Stressquellen frühzeitig zu erkennen und evidenzbasierte Massnahmen zur Entlastung des Personals abzuleiten.
Typische Anzeichen psychischer Überlastung sind:
- Anhaltende Erschöpfung, auch nach freien Tagen
- Reizbarkeit, innere Distanz zu Patienten
- Schlafprobleme trotz Müdigkeit
- Das Gefühl, den eigenen fachlichen Ansprüchen nicht mehr gerecht zu werden
Checkliste: Anzeichen, die auf eine ernstzunehmende Überlastung hindeuten können
- Ich fühle mich auch nach freien Tagen kaum erholt.
- Ich habe seit Wochen wiederkehrende Rücken-, Schulter- oder Nackenschmerzen.
- Ich schlafe schlecht, obwohl ich erschöpft bin.
- Ich ziehe mich zunehmend von Kollegen oder Patienten zurück.
- Ich habe das Gefühl, meiner Arbeit fachlich nicht mehr gerecht zu werden.
Treffen mehrere dieser Punkte über einen längeren Zeitraum zu, suche frühzeitig das Gespräch mit Deinem Hausarzt oder einer betriebsärztlichen Stelle. Warte nicht, bis die Beschwerden chronisch werden.
Hitze am Arbeitsplatz: Eine wachsende Belastung
Ein Gesundheitsrisiko, das erst in den letzten Jahren stärker in den Fokus gerückt ist, betrifft die Auswirkungen der zunehmenden Sommerhitze auf die Arbeit in Pflege und Betreuung. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat gemeinsam mit dem Swiss Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH) im Herbst 2025 rund 900 Mitarbeitende aus Langzeitpflege, ambulanter Pflege sowie Spitälern und Kliniken zu ihrer Hitzebelastung am Arbeitsplatz befragt.
Das Ergebnis ist deutlich: 9 von 10 Befragten berichten von hitzebedingten, belastenden Symptomen bei der Arbeit – etwa Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten oder Kreislaufbeschwerden. Auffällig ist dabei, dass sich Mitarbeitende in der Langzeitpflege tendenziell stärker belastet fühlen als jene in Spitälern und Kliniken. Gleichzeitig zeigt die Befragung: Wo Betriebe bereits konkrete Hitzeschutzmassnahmen umsetzen, fühlen sich die Mitarbeitenden tendenziell weniger belastet. Wichtige Massnahmen wie kühle Pausenräume, zusätzliche Pausen oder angepasste Arbeitskleidung fehlen jedoch in vielen Betrieben noch.
Das BAG hat die Dringlichkeit des Themas 2026 in einem eigenen Policy Brief mit dem Titel „Hitze in der Pflege: Es besteht Handlungsbedarf” unterstrichen. Für Dich bedeutet das: Es lohnt sich, aktiv nachzufragen, welche Hitzeschutzmassnahmen Dein Betrieb bereits umsetzt und wo Nachholbedarf besteht.
Schichtarbeit: Belastung für Körper und Schlaf
Wechselnde Dienste, Nacht- und Wochenendarbeit gehören in der Pflege zum Alltag und können den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus beeinträchtigen. Mögliche Folgen sind Ein- und Durchschlafstörungen, Müdigkeit und Magen-Darm-Beschwerden. Auch die soziale Belastung ist nicht zu unterschätzen: Unregelmässige Arbeitszeiten erschweren Dir möglicherweise die Vereinbarkeit mit Familie, Freundeskreis und Freizeitaktivitäten – ein Faktor, der laut aktuellen Befragungen ebenfalls zur Unzufriedenheit im Beruf beiträgt.
Infektionsrisiken und körperliche Sicherheit
Der direkte Kontakt mit erkrankten Patienten bringt ein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten mit sich. Wasche Deine Hände direkt vor dem Patientenkontakt, trage Handschuhe bei Untersuchungen, überprüfe, ob gegebenenfalls ein Kittel oder ein Mund-Nasen-Schutz nötig ist und reinige genutzte Utensilien sowie patientennahe Kontaktflächen gemäss dem Hygieneplan. Auch für Deine Tätigkeit empfohlene Impfungen (etwa gegen Grippe oder Hepatitis B) reduzieren Infektionsrisiken, lassen es aber nicht vollständig verschwinden. Achte auch auf mögliche Gefahren durch Verletzungen durch Nadelstiche oder beim Umgang mit unruhigen oder aggressiven Patienten.
Wenn die Belastung zum Ausstiegsgrund wird
Bleiben gesundheitliche Probleme über längere Zeit unbeachtet, können sie zu einem zentralen Grund für den Berufsausstieg werden. Ein Stellenwechsel und ein Berufsausstieg sind jedoch unterschiedliche Entscheidungen. Je nach Deiner Situation kommen auch ein anderes Pensum, ein anderer Pflegebereich oder ein Wechsel des Arbeitgebers infrage. Auch ein Wechsel in die Temporärarbeit kann eine Option sein, wenn Du mehr Einfluss auf Deine Einsätze suchst. Prüfe dabei, ob die konkreten Bedingungen zu Deiner gesundheitlichen Situation passen.
Diese Realität zeigt: Gesundheitliche Belastung in der Pflege ist kein individuelles Randproblem, sondern ein strukturelles Thema, das Politik, Arbeitgeber und Fachpersonen gleichermassen betrifft.
Was gegen die Belastung hilft
Vollständig vermeiden lässt sich die Belastung im Pflegeberuf nicht, wohl aber reduzieren. Auf betrieblicher Ebene helfen eine ausreichende Personalplanung, verlässliche Dienstpläne, gezielte Hitzeschutzmassnahmen im Sommer und ein gutes Onboarding, insbesondere für Berufseinsteiger. Auf individueller Ebene können der bewusste Umgang mit Erholungszeiten, der Austausch mit Kollegen sowie das frühzeitige Ansprechen von Überlastung gegenüber Vorgesetzten helfen, chronischen Beschwerden vorzubeugen.
Auch strukturelle Verbesserungen sind in Umsetzung: Die 2021 angenommene Pflegeinitiative zielt unter anderem auf bessere Arbeitsbedingungen ab. Der Entwurf für ein neues Bundesgesetz über die Arbeitsbedingungen in der Pflege sieht unter anderem Vorgaben zur Arbeitszeit, zu Pausen und zur Ankündigung von Dienstplänen vor. Über den Entwurf berät das Parlament.
Weitere Infos zur Pflegeinitiative erhältst Du hier:
Fazit: Belastung ernst nehmen, statt sie zu ignorieren
Rückenbeschwerden, psychische Erschöpfung, die Folgen von Schichtarbeit und zunehmend auch Hitze gehören zu den wichtigen gesundheitlichen Problemen im Pflegeberuf. Sie sind kein Zeichen persönlichen Versagens, sondern eng mit den strukturellen Bedingungen des Berufs verknüpft.
Wenn Du frühzeitig auf Warnsignale achtest, betriebliche Unterstützungsangebote nutzt und Belastungen ansprichst, kannst Du gemeinsam mit Deinem Betrieb nach Entlastung suchen. Ein Wechsel aus dem Pflegeberuf ist nicht in jedem Fall nötig.
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Häufige Fragen zu Gesundheitsproblemen von Pflegekräften
- Welche gesundheitlichen Probleme sind in der Pflege besonders relevant?
- Warum kannst Du in der Pflege Rückenschmerzen bekommen?
- Wie erkenne ich, dass die Belastung im Pflegeberuf zu hoch wird?
- Muss ich bei gesundheitlicher Belastung den Pflegeberuf verlassen?
Zu den wichtigen beruflichen Gesundheitsrisiken in der Schweizer Pflege gehören Rücken- und Schulterbeschwerden, psychische Belastung, Schlafprobleme bei Schichtarbeit sowie Infektionsrisiken. Je nach Arbeitsplatz kann auch Hitze eine erhebliche Belastung sein.
Häufiges Heben, Umlagern und langes Stehen in gebückter Haltung belasten Deinen Rücken stark. Geeignete Transferhilfsmittel, geschulte Arbeitsabläufe und eine gute Organisation können die körperliche Belastung verringern. Bewegung und Krafttraining können ergänzend sinnvoll sein.
Typische Warnsignale sind anhaltende Erschöpfung, Schlafprobleme und das Gefühl, den eigenen fachlichen Ansprüchen nicht mehr gerecht zu werden. Halten solche Anzeichen an oder beeinträchtigen sie Deinen Alltag, suche ein Gespräch mit einem Arzt oder einer betriebsärztlichen Stelle.
Nicht zwingend. Je nach Ursache und gesundheitlicher Situation können ein Arbeitgeberwechsel, ein angepasstes Pensum, ein anderer Tätigkeitsbereich oder eine Weiterbildung neue Möglichkeiten eröffnen. Sprich anhaltende Beschwerden ärztlich und Belastungen am Arbeitsplatz möglichst frühzeitig an.
- Michael Drupp et al. „Belastungen und Arbeitsbedingungen bei Pflegeberufen – Arbeitsunfähigkeitsdaten und ihre Nutzung im Rahmen eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements”, In: Klaus Jacobs et al., Pflege-Report 2019 (Berlin/Heidelberg: Springer 2020), S. 23–47.
- ICM Medical, “Fachkräftemangel 2025: Wo das Schweizer Gesundheitswesen jetzt steht – und was wir dagegen tun”, https://www.icm-medical.ch/... (Letzter Zugriff am: 06.10.2026)
- Medinside, “Studie: Fast jede zweite Pflegefachperson denkt an einen Stellenwechsel”,
https://www.medinside.ch/... (Letzter Zugriff am: 06.10.2026) - Berner Fachhochschule, “STRAIN 2.0 – Work-related stress among health professionals in Switzerland”, https://www.bfh.ch/... (Letzter Zugriff am: 06.10.2026)








