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Wer die Schlagzeilen der letzten Jahre verfolgt, kennt vor allem die kritischen Töne zum Pflegeberuf: Personalmangel, Zeitdruck, Kritik an den Arbeitsbedingungen. Umso überraschender sind die Ergebnisse aktueller Schweizer Untersuchungen: Im Branchenvergleich erreicht der Pflegesektor eine besonders hohe Arbeitszufriedenheit. Auch unter Pflegefachpersonen in Schweizer Spitälern ist die durchschnittliche Arbeitszufriedenheit zuletzt leicht gestiegen. Berufstätige in der Pflege gehören zu den zufriedensten Arbeitnehmern der Schweiz.
Das ist kein Widerspruch. Es zeigt vielmehr, worauf es bei Arbeitszufriedenheit wirklich ankommt. Neben Lohn und Arbeitszeit spielen unter anderem sinnstiftende Aufgaben, Teamkultur, Entwicklungsmöglichkeiten und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben eine wichtige Rolle. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann gezielter einschätzen, was den eigenen Arbeitsalltag verbessert – unabhängig davon, ob Du in der Pflege bleibst oder wechselst.
Das Wichtigste zur Arbeitszufriedenheit im Pflegeberuf in Kürze
- In der branchenvergleichenden Sotomo-Studie erzielt der Pflegesektor den höchsten Gesamtwert für die Arbeitszufriedenheit.
- Acht von zehn Beschäftigten in der Pflege sind überzeugt, mit ihrer Arbeit zum Wohl der Gesellschaft beizutragen.
- Für die Befragten aller untersuchten Berufsfelder sind die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, abwechslungsreiche Aufgaben und die Möglichkeit, etwas Positives zu bewirken, besonders wichtig.
- Im Spitalpflegereport stieg die durchschnittliche Arbeitszufriedenheit von 73 Prozent im Jahr 2023 auf 74,2 Prozent im Jahr 2024.
- Weiterbildungsmöglichkeiten, eine kooperative Teamkultur, Entscheidungsspielräume und ein innovationsfreundliches Arbeitsumfeld stehen mit einer höheren Arbeitszufriedenheit in Verbindung.
- Eine hohe durchschnittliche Zufriedenheit schliesst individuelle Belastung, Wechselabsichten und Probleme bei den Arbeitsbedingungen nicht aus.
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Zufriedenheits-Ranking: Die Pflege schlägt alle anderen Branchen
Im März 2026 hat das Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag der Trägerorganisationen ARTISET, Spitex Schweiz und OdASanté über 4’300 Erwerbstätige und Pensionierte zu ihrer Arbeitszufriedenheit befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Pflegebranche erreicht branchenübergreifend den höchsten Gesamtwert. Acht von zehn Beschäftigten in der Pflege sind überzeugt, mit ihrer Arbeit einen Beitrag zum Wohl der Gesellschaft zu leisten. Auch in Bildung und Sozialarbeit sind acht von zehn Beschäftigten überzeugt, mit ihrer Arbeit etwas Positives bewirken zu können.
Auch der Spitalpflegereport Schweiz des Instituts für Unternehmensrechnung und Controlling (IUC) der Universität Bern ergänzt dieses Bild aus einer anderen Perspektive. Bei einer Befragung von rund 3’600 Pflegefachpersonen aus 28 Schweizer Spitälern stieg die Arbeitszufriedenheit von 73 Prozent im Jahr 2023 auf 74,2 Prozent im Jahr 2024 – und das obwohl 64,1 Prozent der Befragten eine gestiegene Arbeitsbelastung wahrnehmen. Als positive Einflussfaktoren nennt der Report ein umfangreiches Weiterbildungsangebot, eine kooperative Teamkultur, Entscheidungsfreiräume und einen hohen Innovationsfokus im Betrieb.
Was Erwerbstätigen wichtig ist und Pflegefachpersonen erfüllt
Bemerkenswert an der Sotomo-Studie ist die Rangfolge der genannten Zufriedenheitsfaktoren aller befragten Erwebstätigen. Nicht der Lohn steht an erster Stelle, sondern:
- Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (47 Prozent der Befragten)
- Abwechslungsreiche, anspruchsvolle Aufgaben (44 Prozent)
- Die Möglichkeit, mit der eigenen Arbeit etwas zu bewirken (38 Prozent)
- Lohn
Für Dich als Pflegefachperson zeigt der Spitalpflegereport ergänzend, dass Weiterbildungsmöglichkeiten, eine kooperative Teamkultur, Entscheidungsfreiräume, eine hohe Pflegequalität und Vertrauen in Vorgesetzte mit Arbeitszufriedenheit beziehungsweise einer höheren Verbleibswahrscheinlichkeit zusammenhängen.
Zufriedenheitsfaktoren im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt Dir, welche Faktoren die Zufriedenheit in der Pflege fördern können und welche häufig als belastend erlebt werden.
| Steigert die Zufriedenheit | Belastet die Zufriedenheit |
| Eine als sinnvoll erlebte Tätigkeit | Personalmangel und dadurch bedingter Zeitdruck |
| Teamzusammenhalt und gute Zusammenarbeit im Betrieb | Eingeschränkte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben |
| Weiterbildungsmöglichkeiten und Entwicklungsperspektiven | Als unzureichend empfundene Entlöhnung |
| Wertschätzung durch Patienten und Vorgesetzte | Wenig Mitspracherecht bei organisatorischen Entscheidungen |
| Entscheidungsspielräume im Arbeitsalltag | Fehlende Planbarkeit im Arbeitsalltag |
Hohe Zufriedenheit, hoher Mangel: Wie beides zusammenpasst
Hohe durchschnittliche Zufriedenheit und ein akuter Personalmangel schliessen sich nicht aus – beide Realitäten bestehen parallel. Der Spitalpflegereport zeigt trotz der gestiegenen Arbeitszufriedenheit weiterhin ein hohes Fluktuationsrisiko. Die langfristige Verbleibswahrscheinlichkeit lag 2024 noch unter dem Niveau vor der Pandemie. Die Erklärung: Ein hoher durchschnittlicher Zufriedenheitswert bedeutet nicht, dass alle Pflegefachpersonen ihren Arbeitsalltag gleich erleben. Wie zufrieden eine Pflegefachperson ist, hängt stark vom individuellen Arbeitsumfeld ab, etwa vom Team, vom Betrieb und von der Station.
Eine kooperative Teamkultur, Entwicklungsmöglichkeiten und Entscheidungsspielräume stehen laut Spitalpflegereport mit einer höheren Arbeitszufriedenheit in Verbindung. Gleichzeitig können eine hohe Arbeitsbelastung und Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben den Arbeitsalltag belasten. Deshalb kann es sinnvoll sein, vor einem vollständigen Berufsausstieg zunächst einen Wechsel des Arbeitgebers oder des Tätigkeitsbereichs zu prüfen.
Der Schlüssel zu mehr Zufriedenheit im Job
Unzufriedenheit im aktuellen Job bedeutet nicht automatisch, dass der Pflegeberuf als Ganzes das Problem ist. Wer die eigene Situation anhand der bekannten Zufriedenheitsfaktoren einordnet, findet möglicherweise konkrete Ansatzpunkte, bevor ein kompletter Berufswechsel infrage kommt.
Arbeitszufriedenheit: Ursache und Lösung
Zu jedem der bekannten Zufriedenheitsfaktoren gibt es mögliche Ansatzpunkte für Deinen eigenen Arbeitsalltag:
| Woran hängt es? | Was hilft konkret? |
| Ich erlebe meine Arbeit nicht mehr als sinnvoll. | Wechsel in einen anderen Tätigkeitsbereich, z.B. Palliativpflege, Pädiatrie oder Beratung, kann neue fachliche Impulse geben, ohne die Ausbildung aufzugeben. |
| Die Teamkultur an meinem Arbeitsplatz stimmt nicht. | Gespräch mit der Stationsleitung suchen oder Arbeitgeberwechsel prüfen – wirkt meist direkter als Abwarten. |
| Ich habe kaum Entscheidungsspielräume. | Aktiv nach Mitspracheformaten fragen (Stationsrunden, Qualitätszirkel) oder gezielt einen Arbeitgeber mit flacheren Hierarchien suchen. |
| Ich stagniere fachlich, es fehlt Weiterentwicklung. | Eine Weiterbildung oder Spezialisierung eröffnet neue Aufgaben und steht laut Spitalpflegereport mit einer höheren Arbeitszufriedenheit in Verbindung. |
| Beruf und Privatleben lassen sich schlecht vereinbaren. | Pensum, Dienstplan oder Arbeitgeber mit planbareren Arbeitszeiten prüfen. |
| Die Entlöhnung ist unzureichend. | Zusatzqualifikationen sowie ein Kantons- und Arbeitgebervergleich können zusätzliche Verdienstmöglichkeiten aufzeigen. |
Lassen sich mehrere dieser Punkte in Deinem aktuellen Umfeld nicht verbessern, können ein Arbeitgeberwechsel oder ein anderer Tätigkeitsbereich innerhalb der Pflege mögliche Alternativen zu einem kompletten Berufsausstieg sein.
Fazit: Sinn schlägt Lohn – aber Rahmenbedingungen müssen stimmen
Die Pflege ist kein einfacher Beruf – aber entgegen dem öffentlichen Bild einer durchgehend unzufriedenen Branche zeigen aktuelle Studien ein deutlich positiveres Gesamtbild. Sinnhaftigkeit, Teamgeist und Entwicklungsmöglichkeiten tragen zur Zufriedenheit vieler Pflegefachpersonen bei, selbst unter anspruchsvollen Bedingungen. Gleichzeitig bleibt die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ein zentraler Verbesserungspunkt – für Arbeitgeber ebenso wie für die Gesundheitspolitik.
Für Deine individuelle Berufsentscheidung heisst das: Unzufriedenheit im aktuellen Job bedeutet nicht zwangsläufig, dass die gesamte Pflegelaufbahn infrage gestellt werden muss. Häufig lohnt sich zunächst der Blick auf das konkrete Arbeitsumfeld – und die Frage, welcher Arbeitgeber oder Tätigkeitsbereich die eigenen Zufriedenheitsfaktoren besser bedient.
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Häufige Fragen zu Arbeitszufriedenheit im Pflegeberuf
- Sind Pflegefachpersonen in der Schweiz mit ihrer Arbeit zufrieden?
- Was macht Pflegefachpersonen im Beruf zufrieden?
- Warum kann es trotz hoher Arbeitszufriedenheit zu Wechselgedanken kommen?
- Wie kann ich meine eigene Arbeitszufriedenheit in der Pflege verbessern?
Im Branchenvergleich erzielt der Pflegesektor in der Sotomo-Studie den höchsten Gesamtwert für die Arbeitszufriedenheit. Acht von zehn Beschäftigten in der Pflege sind überzeugt, mit ihrer Arbeit zum Wohl der Gesellschaft beizutragen. Das bedeutet jedoch nicht, dass acht von zehn Pflegefachpersonen mit allen Aspekten ihrer Arbeit zufrieden sind.
Pflegefachpersonen bewerten insbesondere die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit, Wertschätzung, Teamgefühl sowie Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten positiv. Für alle Befragten der Sotomo-Studie zählen ausserdem die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, abwechslungsreiche Aufgaben und die Möglichkeit, etwas Positives zu bewirken zu den wichtigsten Faktoren. Der Lohn folgt in dieser allgemeinen Rangfolge an vierter Stelle.
Die durchschnittliche Arbeitszufriedenheit sagt wenig darüber aus, wie einzelne Pflegefachpersonen ihren Arbeitsplatz erleben. Eine hohe Arbeitsbelastung, Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, fehlende Entwicklungsmöglichkeiten oder eine ungünstige Teamkultur können deshalb Wechselgedanken begünstigen.
Ein erster Schritt ist die Analyse der eigenen Situation anhand bekannter Zufriedenheitsfaktoren: Sinnerleben, Teamkultur, Entscheidungsspielräume, Weiterbildung und Work-Life-Balance. Je nach Ursache kannst Du beispielsweise ein Gespräch mit Deiner Leitung führen, Anpassungen beim Pensum oder Dienstplan ansprechen, eine Weiterbildung prüfen oder Dich über andere Tätigkeitsbereiche und Arbeitgeber informieren.
- Sotomo, “Erfüllung bei der Arbeit”, https://sotomo.ch/... (Letzter Zugriff am: 06.10.2026)
- Spitex Schweiz, “Arbeitszufriedenheit in der Schweiz: Pflegeberufe sind besonders erfüllend”, https://www.spitex.ch/... (Letzter Zugriff am: 06.10.2026)
- Universität Bern, “Spitalpflegereport Schweiz”, https://www.iuc.unibe.ch/... (Letzter Zugriff am: 06.10.2026)
- Pflegeportal.ch, “Arbeitszufriedenheit in der Pflege — Wie Pflegende am Arbeitsplatz zufriedener werden”, https://www.pflegeportal.ch/... (Letzter Zugriff am: 06.10.2026)






