Die Ausbildung zur Sozialpädagogin ermöglicht einen Beruf, der mitten im Leben steht: Man begleitet Menschen in herausfordernden Lebenssituationen, stärkt ihre Selbstständigkeit und fördert ihre soziale Integration. Ob in Einrichtungen oder im direkten Umfeld der Klienten – man gestaltet Alltage, schafft Perspektiven und baut Brücken zwischen individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlicher Teilhabe. Damit leistet man einen wichtigen Beitrag zu mehr Lebensqualität und Chancen für Menschen aller Altersgruppen. Wie sich der Beruf der Sozialpädagogin genau gestaltet und welche Ausbildung hierfür notwendig ist, erläutert dieser Artikel.
Was macht man als Sozialpädagogin?
Sozialpädagoginnen arbeiten mit Menschen, die aufgrund verschiedener Herausforderungen im Leben Unterstützung benötigen, um ihre Selbstständigkeit und soziale Integration zu fördern. Ihre Kernaufgabe besteht darin, Klienten im Alltag zu begleiten und zu betreuen, sei es in Heimen, Wohngruppen oder direkt bei den Menschen zuhause. Dies umfasst die Gestaltung des Tagesablaufs, die Förderung von Eigenverantwortung und die Unterstützung bei alltäglichen Tätigkeiten. Um eine ganzheitliche Förderung zu gewährleisten, arbeiten sie interdisziplinär mit Angehörigen, Fachleuten aus Psychologie, Therapie und der Schule sowie Behörden oder der Justiz zusammen.
Zu den zentralen Aufgaben gehören zudem:
- Krisenbewältigung: Hilfe in belastenden Situationen und Unterstützung beim Entwickeln neuer Perspektiven.
- Soziale Integration: Förderung der Teilhabe an Schule, Arbeitswelt und Gesellschaft sowie Begleitung bei (Wieder-)Eingliederungsprozessen.
- Organisatorische Aufgaben: Planung von Wochenabläufen, Dokumentation von Entwicklungen, Verfassen von Berichten und Teilnahme an Teamsitzungen.
Wie läuft die Ausbildung zur Sozialpädagogin ab?
In der Schweiz kann die Ausbildung zur Sozialpädagogin sowohl an einer Höheren Fachschule (HF) als auch mittels Studiums an einer Fachhochschule (FH) absolviert werden. Die HF-Ausbildung erfolgt auf Basis eines vorgegebenen Rahmenlehrplans. Das Studium an der FH kann je nach Hochschule über einen speziellen Studiengang “Sozialpädagogik” oder mittels integrierten Studienganges im Bereich der Sozialen Arbeit absolviert werden. Nachfolgend wird daher schwerpunkthaft die Ausbildung an der HF thematisiert.
Unterschiede zwischen Sozialpädagogen HF und FH
Fachkräfte mit durchlaufener HF-Ausbildung arbeiten oft sehr praxisnah und sind direkt in die Alltagsgestaltung und pädagogische Arbeit eingebunden. Sozialpädagogen FH übernehmen zusätzlich auch konzeptionelle, beratende und koordinierende Tätigkeiten sowie Aufgaben in der Leitung von Teams.

Voraussetzungen
Die Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung zur Sozialpädagogin HF können je nach Bildungsangebot leicht variieren, weisen jedoch einige Gemeinsamkeiten auf. So stellt ein abgeschlossener mindestens dreijähriger Berufsabschluss oder ein Mittelschulabschluss in jedem Fall eine Grundvoraussetzung dar. Daneben muss eine gewisse Praxiserfahrung im Bereich der Sozialpädagogik nachgewiesen werden. Üblicherweise müssen Bewerber zudem ein Aufnahmeverfahren durchlaufen. Einige HF verlangen zudem den Nachweis einer Anstellung mit mindestens 50 Prozent oder auch gewisse Sprachkenntnisse.
Für Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung als Fachfrau Betreuung oder ggf. einer verwandten Ausbildung gelten üblicherweise reduzierte Voraussetzungen. Für das Studium an einer Fachhochschule fällt die Qualifikation hingegen höher aus.
Dauer und Ablauf der Ausbildung
Die Ausbildung zur Sozialpädagogin HF umfasst ohne einschlägige Berufserfahrung 5‘400 Lernstunden und dauert drei bis vier Jahre. Fachpersonen Betreuung können jedoch eine verkürzte Ausbildung absolvieren, welche nur rund 3‘600 Lernstunden umfasst (zwei bis drei Jahre).
Neben einem dualen Aufbau ermöglicht die HF-Ausbildung je nach Anbieter auch eine schulische Ausbildung, die durch Praxiseinblicke und Praktika ergänzt wird. Die nachfolgenden beiden Tabellen bietet eine Übersicht zu Umfang und Aufteilung der verschiedenen Bestandteile.
| Inhalt | Duale Ausbildung | Schulische Ausbildung |
| Kontaktstunden, Promotion, weitere Lernkontrollen | 1'800 | 1'800 |
| Selbststudium | 900 | 1'200 |
| Begleitete Praxis (begleitete einschlägige Berufstätigkeit/ Praktikum) | 1'020 | 1'800 |
| Einschlägige Berufstätigkeit (Anrechnung sofern Berufstätigkeit mind. 50 % umfasst) | max. 1'080 | / |
| Abschliessendes Qualifikationsverfahren | 600 | 600 |
| Insgesamt | 5'400 Lernstunden | 5'400 Lernstunden |
Mit einschlägiger Berufserfahrung reduzieren sich die Lehrstunden. Demnach ergibt sich folgende Aufteilung:
| Inhalt | Duale Ausbildung | Schulische Ausbildung |
| Kontaktstunden, Promotion, weitere Lernkontrollen | 1'200 | 1'200 |
| Selbststudium | 600 | 900 |
| Begleitete Praxis (begleitete einschlägige Berufstätigkeit/ Praktikum) | 480 | 900 |
| Einschlägige Berufstätigkeit (Anrechnung sofern Berufstätigkeit mind. 50 % umfasst) | max. 720 | / |
| Abschliessendes Qualifikationsverfahren | 600 | 600 |
| Insgesamt | 3'600 Lernstunden | 3'600 Lernstunden |
Inhalte der Ausbildung zur Sozialpädagogin
Inhaltlich umfasst der HF-Lehrplan eine Vielzahl von Themenbereichen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung der persönlichen und sozialen Kompetenzen, welche für die Arbeit mit Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen unerlässlich sind. Der offizielle Rahmenlehrplan nennt für den Beruf sieben Kompetenzbereiche:
- Gemeinsame Planung und Entwicklung der sozialpädagogischen Arbeit
- Begleitung und Unterstützung in Alltags- und Übergangssituationen
- Entwicklung der eigenen Berufsidentität
- Prozessanalyse und -dokumentation
- Arbeit im professionellen Umfeld
- Weiterentwicklung des Berufsfelds
- Beteiligung an der Entwicklung der Organisation/ Institution
Die Auszubildenden erlernen hierbei unter anderem das Erstellen individueller Betreuungspläne, das Gestalten von Gruppenangeboten und den Beziehungsaufbau zu ihren Klienten. Darüber hinaus vermittelt die Ausbildung den angehenden Sozialpädagoginnen das Entwickeln und Vertiefen ihrer sozialen und kommunikativen Kompetenzen. Die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis bereitet somit gezielt auf die vielfältigen Anforderungen des Berufsfeldes vor.
Passt die Ausbildung zur Sozialpädagogin zur mir?
Neben den rein formalen Zugangsvoraussetzungen sollten zukünftige Sozialpädagoginnen auch einige persönliche Eigenschaften mitbringen. Da sie im späteren Berufsleben in ständigem Kontakt zu anderen Menschen stehen, sollten sie in jedem Fall Freude am Umgang mit diesen haben und offen für verschiedene Lebensentwürfe sein. Darüber hinaus sollten Bewerber über folgende Soft Skills verfügen:
- Hohes Mass an Verantwortungsbewusstsein
- Ausgeprägtes Einfühlungsvermögen
- Psychische und physische Belastbarkeit
- Bereitschaft zur Selbstreflexion
- Interesse an Teamarbeit
- Flexibilität im Umgang mit herausfordernden, wechselnden und unvorhersehbaren Situationen
- Bereitschaft zu unregelmässigen Arbeitszeiten
Lehrlingslohn während der Ausbildung zur Sozialpädagogin
Während der dualen Ausbildung zur Sozialpädagogin erhalten die angehenden Fachkräfte einen Lohn vom Ausbildungsbetrieb. Im Rahmen der schulischen Ausbildungsform werden die Praktikumseinsätze üblicherweise vergütet. Die genaue Höhe ist vom jeweiligen Arbeitgeber abhängig.
Daneben fallen für die Höheren Fachschule Kosten an. Diese unterscheiden sich zum Teil erheblich, wie die beispielhafte Übersicht zeigt:
- zweijährige Ausbildung: etwa 4’000 bis 11’000 Franken
- dreijährige Ausbildung: etwa 3’750 bis 6’000 Franken, bis zu 16’000 Franken möglich
- vierjährige Ausbildung: etwa 5’000 Franken
Neben dem selbst zu zahlenden Schulgeld beteiligen sich die Kantone durch eine Kostenübernahme an der HF-Ausbildung.
Sozialpädagoge/in Stellenangebote
Sozialpädagogin – Lohn im Berufsleben
Sozialpädagoginnen verdienen im weiteren Berufsleben durchschnittlich etwa 78’000 Schweizer Franken jährlich. Dies entspricht bei dreizehn Monatslöhnen einem monatlichen Verdienst von etwa 6’000 Franken. Laut Lohnbuch 2025 liegt der Lohn je nach Alter im Bereich der Sozialpädagogik im Median zwischen 5’750 Franken (26 bis 30 Jahre) und 6’250 Franken (ab 50 Jahren).
Wie sieht der Berufsalltag als Sozialpädagogin aus?
Im Arbeitsalltag übernehmen Sozialpädagoginnen eine breite Palette von verantwortungsvollen Aufgaben. Im Zentrum steht die Begleitung von Menschen, deren selbständige Lebensführung oder soziale Teilhabe erschwert ist – sei es aufgrund von Beeinträchtigungen, schwierigen Lebenssituationen oder einem Aufenthalt im Strafvollzug. Dabei geht es immer darum, Ressourcen zu stärken, Selbstbestimmung zu fördern und gesellschaftliche Integration zu ermöglichen. Sozialpädagoginnen übernehmen damit eine Schlüsselrolle für mehr Lebensqualität und Teilhabe.
Wo kann man als Sozialpädagogin arbeiten?
Sozialpädagoginnen können in einer Vielzahl von Einrichtungen eine Anstellung finden. Bei der Wahl des Arbeitgebers ist dabei der jeweilige Schwerpunkt der Einrichtung relevant. Im Folgenden ist eine Auswahl an möglichen Arbeitsbereichen aufgelistet:
- Einrichtungen der Behindertenhilfe
- Frauenhäuser oder andere Einrichtungen der Nothilfe
- Beratungsstellen
- Einrichtungen für Asylsuchende
- Schul- und Berufsintegration
- Kinder- und Jugendheime
- Jugendämter
- Gefängnisse
- Sucht-Einrichtungen
- Sozialmedizinische Einrichtungen
Arbeitszeiten als Sozialpädagogin
Allgemein können die Arbeitszeiten unregelmässig sein und je nach Einrichtung auch Nacht- und Wochenenddienste umfassen.
Sozialpädagoge/in Stellenangebote
Welche Berufsperspektiven hat man als Sozialpädagogin?
Neben vielfältigen beruflichen Perspektiven stehen ausgebildeten Sozialpädagoginnen eine Vielzahl von Weiterbildungsmöglichkeiten offen. Je nach Interesse bieten sich beispielsweise Spezialisierungen zur Vertiefung des eigenen Wissens an. Infrage kommen auch Höhere Fachprüfungen, etwa zum Supervisor-Coach oder Organisationsberater.
Wer die eigenen Aufstiegschancen verbessern möchte, kann auch ein Studium an einer Fachhochschule beginnen, zum Beispiel um einen Bachelor in Sozialer Arbeit mit einem sozialpädagogischen Schwerpunkt zu erhalten. Hierauf aufbauend kann auch ein passender Master-Abschluss erworben werden.
Wer hingegen kein Studium absolvieren möchte, für den können Angebote im Rahmen der Nachdiplomsstufe interessant sein. Master of Advanced Studies (MAS) gibt es beispielsweise in den Bereichen Sozialmanagement, Supervision, Coaching und Mediation oder auch mit Fokus auf Soziale Arbeit.
Für Fachkräfte mit FH-Abschluss bieten sich ähnliche Möglichkeiten der Weiterbildung an, gerade im Hochschul- und Universitätsbereich.
Wo findet man passende Jobs als Sozialpädagogin?
Passende Jobs in der Sozialpädagogik gibt es bei Medi-Karriere. Hier gibt es zahlreiche Sozialpädagoginnen Jobs, Stellen für Sozialarbeiter sowie FaBe-Jobangebote.
- Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich, Amt für Wirtschaft und Arbeit, Lohnbuch 2025, orell füssli
- Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, “Dipl. Sozialpädagogin HF”, https://www.becc.admin.ch/... (letztes Abrufdatum: 19.09.2025)








