Inhaltsverzeichnis
Frankreich ist für viele Studieninteressierte aus dem deutschsprachigen Raum ein eher unbekanntes Terrain, wenn es um das Medizinstudium geht – und das zu Unrecht. Die französischen Medizinfakultäten gehören zu den ältesten und traditionsreichsten Europas, das Ausbildungsniveau ist exzellent und der Abschluss EU-weit anerkannt. Für Schweizer, insbesondere aus der Romandie oder mit Französischkenntnissen, bietet Frankreich eine besonders naheliegende und attraktive Alternative.
Seit der Reform des Medizinstudiums in Frankreich im Jahr 2020 – der Abschaffung der berüchtigten «PACES» (Première Année Commune aux Études de Santé) – ist der Zugang zum Medizinstudium strukturierter, fairer und zugänglicher geworden. Das neue System bietet mehrere Wege ins Medizinstudium und richtet sich stärker an den individuellen Stärken der Bewerber aus.
Inhaltsverzeichnis
- Wie ist das Medizinstudium in Frankreich aufgebaut?
- Das neue Zulassungssystem seit 2020: LAS und MAS
- Was brauche ich für das Medizinstudium in Frankreich?
- Welche Universitäten bieten ein Medizinstudium in Frankreich an?
- Sprachvoraussetzungen: Französisch ist unverzichtbar
- Studiengebühren
- Lebenshaltungskosten
- Bewerbungsprozess
- Anerkennung des Abschlusses in der Schweiz
- Checkliste für Dein Medizinstudium in Frankreich
- Medizinstudium in Frankreich – Fazit
- Mit dem richtigen Partner ins Medizinstudium starten
Wie ist das Medizinstudium in Frankreich aufgebaut?
Das Medizinstudium in Frankreich dauert etwa 6 Jahre (11 Jahre inklusive Facharztausbildung) und ist in zwei grosse Phasen gegliedert:
- Zyklus – Grundlagenstudium (3 Jahre): Seit der Reform 2020 gibt es zwei Zugangswege: über die Licence Accès Santé (LAS) oder die Majeures Accès Santé (MAS). Diese ersten drei Jahre umfassen naturwissenschaftliche Grundlagen, erste medizinische Inhalte sowie eine Auswahlprüfung am Ende des ersten bzw. zweiten Jahres.
- Zyklus – Klinisches Studium (3 Jahre): Klinische Fächer, Hospitationen und intensive Patientenarbeit in universitären Lehrspitälern (CHU – Centres Hospitaliers Universitaires). Abschluss mit dem Diplôme de Formation Générale en Sciences Médicale
Wer eine Facharztausbildung anhängen will, durchläuft nach dem Studium einen dritten Zyklus:
Internat / Facharztausbildung (3–5 Jahre): Spezialisierung durch das «Internat» – vergleichbar mit der deutschen Facharztweiterbildung. Die Fachrichtung wird über eine nationale Prüfung (ECN – Épreuves Classantes Nationales) vergeben.I
Der Abschluss ist der Titel «Docteur en Médecine» – ein in der gesamten EU und grundsätzlich auch in der Schweiz anerkannter Abschluss.
Das neue Zulassungssystem seit 2020: LAS und MAS
Die Reform von 2020 hat das frühere Einjahres-Aussiebungssystem (PACES) durch ein flexibleres Modell ersetzt. Die zwei Zugangswege zu einem Medizinstudium in Frankreich im Überblick:
Licence Accès Santé (LAS)
- Reguläres Bachelorstudium (z. B. Biologie, Chemie, Sport) mit medizinischem Zusatzmodul
- Bewerbungsrunde für einen Wechsel ins Medizinstudium am Ende des 1. und 2. Jahres
- Vorteil: vollwertigen Bachelorabschluss bei Nichtbestehen
Majeures Accès Santé (MAS)
- Spezialisierter Studiengang mit starkem Fokus auf Gesundheitswissenschaften
- Direkt auf den Zugang zum Medizinstudium ausgerichtet
- Höheres Risiko bei Nichtbestehen, da weniger alternative Abschlüsse möglich sind
| Merkmal | LAS (Liberal Arts & Sciences) | MAS (Health Sciences / Sociology) |
|---|---|---|
| Studienfokus | Interdisziplinäres Bachelorstudium + spezifische Medizinmodule | Starker Fokus auf Gesundheitswissenschaften und soziale Aspekte der Medizin |
| Zugangschancen | Etwas niedriger (hoher Andrang), dafür exzellenter wissenschaftlicher Backup | Tendenziell höhere Chancen, aber fachlich weniger breit für andere Alternativen |
| Bewerbungsrunden | Einstieg in Jahr 1; Wechsel in den Master oft in Jahr 2 oder 3 vorbereitet | Reguläre Bewerbung in Jahr 1 und ggf. Jahr 2 möglich |
| Eignung für | Bewerber mit breiten akademischen Interessen (Philosophie, Ethik, Bio) | Klar medizinisch-soziologisch orientierte Bewerber |
Was brauche ich für das Medizinstudium in Frankreich?
- Allgemeine Hochschulreife (Baccalauréat, Matura, Abitur oder gleichwertiger Abschluss)
- Französischkenntnisse auf sehr hohem Niveau (mindestens C1, empfohlen C2) da das gesamte Studium auf Französisch stattfindet
- Einschreibung in eine französische Universität über das Portal Parcoursup (für internationale Bewerber über Études en France)
- Naturwissenschaftliche Vorkenntnisse in Biologie, Chemie, Physik und Mathematik
- Auswahlverfahren am Ende des 1. bzw. 2. Studienjahres (LAS oder MAS)
Für Schweizer aus der Romandie oder mit sehr guten Französischkenntnissen ist der sprachliche Einstieg deutlich einfacher als für Deutschschweizer. Für letztere ist ein intensiver Französischkurs vor der Bewerbung unerlässlich.
Welche Universitäten bieten ein Medizinstudium in Frankreich an?
Frankreich hat ein flächendeckendes Netz an medizinischen Fakultäten – fast jede grosse Stadt verfügt über eine renommierte Medizinuniversität. Die bekanntesten im Überblick:
| Universität / Fakultät | Stadt | Besonderheit |
|---|---|---|
| Université Paris Cité | Paris | Eine der renommiertesten Adressen weltweit; extrem kompetitives Umfeld |
| Sorbonne Université | Paris | Traditionsreich und international bekannt für exzellente klinische Forschung |
| Université de Lyon | Lyon | Zweitgrößte Medizinfakultät Frankreichs mit herausragenden Unikliniken (HCL) |
| Université de Bordeaux | Bordeaux | Starke Forschung in den Neurowissenschaften; sehr hohe Lebensqualität |
| Université de Strasbourg | Strassburg | Grenznah zu DACH-Region; internationaler Fokus durch EU-Institutionen |
| Université de Montpellier | Montpellier | Älteste noch aktive Medizinfakultät der Welt (gegr. 1220); enorme Medizinhistorie |
| Université de Grenoble | Grenoble | Nähe zur Schweiz; führend in Medizintechnik und Naturwissenschaften |
| Université de Nice | Nizza | Mediterranes Flair und starker Fokus auf Altersmedizin (Geriatrie) |
Sprachvoraussetzungen: Französisch ist unverzichtbar
Das Medizinstudium in Frankreich findet ausschliesslich auf Französisch statt – von der Vorlesung über die Prüfungen bis hin zum Patientenkontakt. Entsprechend hoch sind die Anforderungen:
- Mindestens C1, besser C2 gemäss dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER)
- Anerkannte Sprachnachweise: DELF/DALF, TCF, TEF oder ein französischsprachiges Schulabschlusszeugnis
- Bewerber aus der Westschweiz (Romandie) haben einen natürlichen Sprachvorteil
- Deutschschweizer sollten mindestens 1–2 Jahre Intensiv-Französisch vor Studienbeginn einplanen
Die medizinische Fachsprache auf Französisch ist komplex – eine solide sprachliche Basis ist keine Option, sondern Grundvoraussetzung.
Studiengebühren
Das Medizinstudium an staatlichen französischen Universitäten ist für EU-Bürger und Schweizer sehr günstig:
| Studienphase | Studiengebühren (ca.) |
|---|---|
| 1. Zyklus (L.AS / PASS, Jahr 1–3) | 170 € – 200 € / Jahr |
| 2. Zyklus (Klinisches Studium, Jahr 4–6) | 170 € – 200 € / Jahr |
| 3. Zyklus (Internat / Spezialisierung) | 0 € (Vergütetes Praktikum) |
| Zusatzabgabe (CVEC)* | ca. 100 € / Jahr |
Das Internat (3. Zyklus) ist in Frankreich bezahlt – Medizinstudierende erhalten während der Facharztausbildung ein Gehalt, was die finanzielle Belastung erheblich reduziert.
Lebenshaltungskosten
Die Lebenshaltungskosten in Frankreich variieren stark je nach Stadt:
| Kostenpunkt | Betrag / Monat (ca.) |
|---|---|
| Miete (WG-Zimmer / Studio) | 400 – 900 € |
| Lebensmittel & Haushalt | 200 – 350 € |
| Transport (Pass Navigo / Region) | 30 – 80 € |
| Krankenversicherung | 0 € |
| Sonstiges (Handy, Freizeit, Sport) | 100 – 200 € |
| Gesamt (ca.) | 730 – 1.530 € |
Paris ist mit Abstand die teuerste Stadt; Montpellier, Grenoble oder Strassburg sind deutlich günstiger und bei Studierenden sehr beliebt.
Bewerbungsprozess
Die Bewerbung für internationale Studierende aus der Schweiz läuft über das Plattform Études en France – ein spezielles Portal für ausländische Bewerberinnen und Bewerber:
- Registrierung auf «Études en France»
- Studiengang und Universität auswählen
- Unterlagen hochladen (Maturazeugnis mit beglaubigter Übersetzung, Sprachnachweis, Motivationsschreiben, Lebenslauf)
- Bewerbungsdossier fristgerecht einreichen
- Aufnahmegespräch (persönliches oder Online-Interview an vielen Unis)
- Zulassung und Campus-France-Verfahren abschliessen
- Einschreiben und starten (Studienbeginn meist im September/Oktober)
Anerkennung des Abschlusses in der Schweiz
Der französische Abschluss «Docteur en Médecine» ist EU-weit anerkannt. Für die Schweiz gilt:
- Die Anerkennung läuft über das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und das Medizinalberuferegister (MedReg)
- Da Frankreich EU-Mitglied ist, gelten die EU-Standards für die Ausbildung – was die Anerkennung in der Schweiz erheblich erleichtert
- In der Praxis wird der französische Medizinabschluss in der Schweiz regelmässig anerkannt
- Je nach Kanton und Sprachregion kann ein Sprachnachweis in Deutsch, Französisch oder Italienisch für die Berufsausübung verlangt werden
- Für Westschweizer, die in der Romandie praktizieren möchten, ist die Anerkennung besonders unkompliziert
Checkliste für Dein Medizinstudium in Frankreich
- Französisch auf C1/C2 bringen
- LAS vs. MAS sorgfältig abwägen
- Bewerbungsfristen früh prüfen
- Studentenwohnheime (CROUS) anfragen
- Staatliche Unterstützung prüfen
Medizinstudium in Frankreich – Fazit
Für Schweizer mit sehr guten Französischkenntnissen – insbesondere aus der Romandie – ist Frankreich eine hervorragende und oft unterschätzte Option für das Medizinstudium. Extrem niedrige Studiengebühren, ein hochstehendes Ausbildungsniveau, ein breites Netz renommierter Universitäten und ein in der Schweiz grundsätzlich anerkannter Abschluss machen Frankreich zu einem der attraktivsten Studienstandorte in Europa.
Die grösste Hürde ist die Sprache – wer Französisch nicht bereits auf hohem Niveau spricht, muss erheblich in die Sprachvorbereitung investieren. Dazu kommt das neue Zulassungssystem (LAS/MAS), das eine sorgfältige strategische Planung erfordert. Wer diese Herausforderungen meistert, erhält im Gegenzug eine Weltklasse-Ausbildung zu einem Bruchteil der Kosten anderer Studienstandorte.
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